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Bericht_Vereinszeitung_14_02_2017

 

Da sind doch ein paar ältere Damen zusammengezuckt, als während der Fronleichnamsprozession das Schwarzpulver zum Einsatz kam. „Am Anfang gab es durchaus Gegenwind, weil es ziemlich laut war“, erinnert sich Ludwig Ziwes. Er ist Mitglied der Stadtgarde Neuerburg, deren Mitglieder mit Schwarzpulverpistolen ausgestattet sind. Und zu den Ereignissen, bei denen die Pistolen gezogen werden, zählt einigen Jahren eben auch die Neuerburger Fronleichnamsprozession.

Immer dann, wenn der Pastor an einer der Altarstationen die Monstranz, also das liturgische Schaugerät mit der Hostie hebt, wird geschossen. Wobei der Einsatz der Böllerpistolen inzwischen etwas reduziert wurde. „Jetzt schießt nur noch einer“, erklärt Ziwes. „Dadurch ist dann nicht mehr ganz so laut.“

Eine 600 Jahre

alte Tradition

Geschossen wird an Fronleichnam, gegründet aber wurde die Stadtgarden an einem anderen Feiertag, nämlich am Karfreitag 1996. Es war eine Gruppe von 13 Männern, die fast alle schon einmal Karnevalsprinzen Neuerburg waren und nun eine alte Tradition wiederaufleben lassen wollten. Denn schon vor fast 600 Jahren wurde in dem kleinen Städtchen an der Enz eine bürgerliche Schützengesellschaft gegründet. Und laut den alten Unterlagen aus dem Jahr 1424 haben diese Schützen sowohl bei weltlichen als auch bei kirchlichen Anlässen geschossen. Die „neue“ Neuerburger Stadtgarde, aus der sieben Jahre nach ihrer Gründung schließlich ein eingetragener Verein wurde, hat diese Tradition übernommen. Wann immer sich ein Anlass bietet, kommt die Stadtgarde zum Einsatz. Sei es bei Prozessionen, dem Aufrichten des Maibaums, zu Neujahr, an Karneval oder aber bei den vielen Festumzügen wie beispielsweise dem Rheinland-Pfalz-Tag oder aber dem Bitburger Folklore-Festival.

20 Jahre lang war Manfred Schröder als Gründungsmitglied und Vereinsvorsitzender der Kommandant dieser Truppe. Im vergangenen Jahr hat er das Amt an Bubi Rochel übergeben. Jetzt führt er die Gruppe an, zu der aktuell 14 Gardisten, vier Ehrengardisten und elf Marketenderinnen gehören. Marketender waren früher diejenigen, die die militärischen Truppen begleitet und die Soldaten mit Waren une Dienstleistungen des täglichen Bedarfs versorgt haben. Heute sind es in der Regel die Ehefrauen und Freundinnen der Gardisten. Bei auswertigen Einsätzen der Stadtgarde sind die Marketenderinnen fast immer dabei. Und ebenfalls dabei ist seit vielen Jahren die Kanone, die nach historischen Unterlagen von Mitgliedern der Garde selbst gebaut wurde. Auf die Kanone sind die Männer besonders stolz. Denn sie sieht nicht nur schön aus, sondern sie schießt auch. “Und bei den Leuten kommt das sehr gut an“, sagt der Vorsitzende Rochel.

Eine feste Gemeinschaft

Er selbst ist eigentlich gar kein Neuerburger, sondern ein Zugezogener. Den Schwaben hat es irgendwann beruflich in die Eifel verschlagen und seitdem fühlt er sich dort pudelwohl. Schriftführer Ludwig Ziwes hingegen hat zuvor in Neuerburg gewohnt und ist dann 1999 in das benachbarte Koxhausen und damit sozusagen auf den „Vorposten“ gezogen. Um Mitglied in der Garde zu werden, muss man also nicht unbedingt ein Neuerburger sein. Und man muss auch kein Aufnahmeritual über sich ergehen lassen. „Er muss einfach nur in die Gemeinschaft passen, da legen wir großen Wert drauf“, sagt Rochel. Darüber hinaus muss er, sofern er eine Schwarzpulverpistole haben und bedienen will, einen entsprechenden Lehrgang absolvieren. Die Gardisten schießen zwar nur mit Alarmpatronen, doch sind dafür gewisse Vorkenntnisse nötig. Allerdings könne man sich dem Verein auch ohne Dienst an der Böllerpistole anschließen, wie der zweite Vorsitzende Frank Germann erklärt. Sein Sohn Florian beispielsweise ist erst sechs Jahre alt und damit das jüngste Mitglied der Garde. Zudem habe der Verein auch noch Trommeln, derzeit aber leider keinen der darauf trommle, sagt Germann. „Wer sich also musikalisch berufen fühlt, iet ebenfalls herzlich willkommen“.

Text Uwe Hentschel

Fotos Stadtgarde

 

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